Grundsätzlich mag niemand Baustellen. Ältere Herren, die endlich mal wieder etwas zu gucken und zu bruddeln haben, mal ausgenommen. Baustellen sind laut, sie sind staubig und bereits nach den ersten zwei Schritten hat man eine Schicht Lehm unter den Schuhen, wie sich sonst nur schwer adipöse Kinder Nutella aufs Brötchen schmieren.
Ähnlich ungeschickt wie unsere moppeligen Schutzbefohlenen agierten bisher auch die Spieler des VfB Stuttgart. Deren Heimspielstätte wird gegenwärtig zu einem reinen Fußballstadion für 60.000 Zuschauer umgebaut. (3D-Animation des umgebauten Stadions)
Seit Beginn des Umbaus ist vom ominösen Baustellentor die Rede. In 10 Heimspielen (8x Bundesliga, 2x Champions League) gelang allenfalls den gegnerischen Mannschaften ein Treffer auf dieses Tor. Der VfB ging bisher komplett leer aus. Kein Glück, keine Tore, kein Erfolg. Fast 8 Stunden ohne Torerfolg. Den Gegnern hat das durchaus gefallen.
Am Vorabend des Champions League-Spiels VfB Stuttgart gegen Unirea Urziceni hatte ich jedoch die Möglichkeit kurz an der Stadionbaustelle vorbeizuschauen. Einen direkten Zusammenhang zum späteren Spielverlauf zu ziehen, ist da eigentlich nur konsequent!
Eins, zwei, drei! Immer rein in die verdammte Bude!
Die Linderung und/oder Beseitigung weiterer paranormaler Beschwerden erfolgt auf Anfrage. Preise auf Verhandlungsbasis. Kontaktdaten entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Faltblatt.
Bayern demontiert Stuttgart
“Mutlos und ängstlich sei man aufgetreten, sagte Babbel dann noch. Zwei Stühle weiter grinste Klinsmann. Genau das sollte die Nachricht an alle kommenden Gegner sein: Dieser FC Bayern macht Angst. Und ein furchteinflößender FC Bayern ist ein erfolgreicher FC Bayern.” Spiegel Online 28.01.2009 (VfB Stuttgart – FC Bayern München 1:5)
3 Monate später
Das Ende eines Missverständnisses
“Der Vorstand sah nach den letzten Ergebnissen die Mindestziele für diese Saison gefährdet, und hat sich deshalb zu diesem Schritt entschlossen.” Kicker.de 27.04.2009
VfB-Chefcoach Armin Veh definiert erfolgreichen Fußball primär über die Art und Weise, wie er gespielt wird: offensiv und mit Leidenschaft. Diese Grundeinstellung machte den gebürtigen Augsburger schon in seiner aktiven Zeit aus, und sie zieht sich auch durch seine Trainer-Laufbahn. Nach seinen Stationen in Augsburg, Fürth, Reutlingen und Rostock, bei denen ihm mehrere Aufstiege gelangen, führte er den VfB 2007 so zum Titel.
Dieser Eintrag beschäftigt sich mit einer besonders schönen Entwicklung, die sich auf den Trainerbänken vollzogen hat. Dort sitzen nicht mehr Trainer vom Kaliber Doll, Neururer, Augenthaler oder Kopfstoß-Meier, sondern endlich kompetente junge Kräfte.
Labbadia in Leverkusen (hervorragend Arbeit in Fürth), Klopp in Dortmund (bringt die Dortmunder Rumpeltruppe wieder auf Kurs) und natürlich auch Jürgen K. aus M.
Zudem öffnet sich die Bundesliga auch zunehmend für ausländische Trainer. Nachdem Schalke 04 knapp über zwei Jahre gänzlich auf einen Trainer verzichtet hat, wurde nun Fred Rutten verpflichtet. Das CL-Quali-Spiel gegen Madrid machte auf jeden Fall Lust auf mehr!
Auch der HSV dürfte mit der offensiven Spielweise von Martin Jol wieder einen attraktiveren Fußball bieten. Das Potential ist allemal vorhanden, um van der Vaart zu ersetzen.
Und auch Ralf Rangnick (Hoffenheim) und Christoph -ich tue dies weil ich ein absolut reines Gewissen habe- Daum (Köln) sind Trainer mit Charakter, die der Liga gut zu Gesicht stehen.
Besonders freue ich mich natürlich auf Kurzpass-Armin und den VfB Stuttgart. Dessen Kader ist nun mit Martin Lanig verstärkt, der in der Jugend das Kicken beim TSV Tauberbischofsheim gelernt hat.
Quelle: http://www.jamd.com
Abschließend noch Werbung in eigener Sache: Auch diese Saison gibts es wieder unsere Kicktipp-Runde.
Jetzt hat also auch die Stadt Stuttgart endlich ihre eigene StierkampfArena.
Schön.
Doch wirklich. Total schön…
Arena. Es gibt wohl kaum einen Begriff, der sinnbildlicher für die Anbiederung des Profifußballs an die Eventkultur steht. Business-Seats, Logenplätze, der Verkauf des Stadionnamens an internationale Großkonzerne.
Stadion. Ein jeder Fußballfan erinnert sich an seinen ersten Besuch eines Fußballstadions – eines Sportplatzes. Der saftig grüne Rasen. Der sanfte Geruch von Gras, Erde, Bier, Schweiß und Bratwurst liegt in der Luft.
Stadion. Dieser Begriff verkörpert das Ursprüngliche, das Traditionelle.
Viele Entwicklungen rund um den Fußball sind aus ökonomischen Gründen absolut nachvollziehbar. Mir ist es nur absolut schleierhaft, weshalb man sich selbst bei der Namensgebung aus freien Stücken vom Begriff “Stadion” verabschieden muss.
Mit einem “Stadion” lässt sich wohl nicht die hippe Eventkultur rund um “Schwaaaarz und Waaaaaissss”, Sommermärchen und EM-Parties verkaufen.
Dann doch lieber im Einheitsbrei versinken. Mercedes-Benz Arena, Allianz Arena, Commerzbank Arena, Veltins Arena, HSH Nordbank Arena, AWD Arena, BayArena, Schüco Arena, Volkswagen Arena, Signal Iduna Park …… äh halt, wie bitte?
Signal Iduna Park?!
Was hat die Entscheidungsträger nur bei dieser Namensgebung geritten…
Naja, eine parkähnliche große Grünfläche hat das ehemalige Dortmunder Westfalenstadion ja. Wobei in solchen Grünanlagen ja zuweilen der gepflegte Ballsport eher untersagt ist. Das würde dann zumindest den Dortmunder Rumpelfußball der letzten Jahre erklären.
Ob durch den bald anstehenden Umbau der Mercedes-Benz Arena in eine reine Fußballstadionarena auch die gewünschte Stimmungsverbesserung eintritt, wird sich zeigen.
Auszuschließen ist zumindest, dass der von Natur aus zum Bruddeln veranlagte Schwabe jemals mit einem ähnlichen Temperament in der Kurve stehen wird, wie es diese Panathinaikos-Fans bei einem Basketball-Spiel vormachen:
Deren Heimspielstätte ist übrigens noch immer das Apostolos-Nikolaidis-Stadion.